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Geschichte

Chronik

 

Erstmals urkundlich erwähnt wird Windschläg im Jahre 1123. Damals hat ein “Rudolfus de Windisle“ als Zeuge einer Schenkung an das Kloster Alpirsbach diese in Straßburg ausgestellte Urkunde unterschrieben. Auf eine wesentlich frühere Besiedlung deuten einige Bodenfunde hin. Eine römische Münze und 20 Eisenluppen aus der Zeit um 100 n.Ch. sowie acht Axtklingen aus der Bronzezeit (800 v.Chr.) weisen auf frühe Siedlungsperioden hin.

Unklar ist bis auf den heutigen Tag die Bedeutung des Namens: Wind-
schläg hebt sich deutlich aus den -bach, -heim, -weier Ortsendungen in der Umgebung ab. Eine Deutung ist „Grab des Windo“, abgeleitet vom Namen des sagenhaften Gründers und ersten Siedler des Ortes.

In der Ortschaft scheinen die Herren von Diersburg auf den Ortsadel gefolgt zu sein. Sie bewirtschaften in Windschläg den „Diersberger Hof“, ebenso weist der erste bekannte Pfarrer „Johann von Diersburg“ auf das Geschlecht der Herren von Diersburg. 1415 verkaufen sie ihren Hof in Windschläg an das St.-Andreas-Spital in Offenburg und ziehen sich als Lehensleute des Kaisers aus Windschläg zurück. Ihr letztes Recht, das der Präsentation des Pfarrers, geht 1462 an das Kloster Gengenbach.
1551 unterstellt Kaiser Ferdinand I. die Reichslandvogtei, zu der Windschläg gehört, dem Erzhause Österreich, so dass auch Windschläg ein Teil Vorderösterreichs wird.
1656 schenkt der Kaiser dem Oberst Carl von Neveu pfandweise das Dorf Windschläg für dessen Verdienste um das Haus Habsburg. Aber auch nach der Verleihung an die Neveus übt der Amtmann in Griesheim die Hochgerichtsbarkeit und Forstgerechtigkeit aus. Der Familie von Neveu verbleibt die niedere Gerichtsbarkeit über das Dorf sowie das Patronatsrecht über die Pfarrei sowie das Zehntrecht.

Während der Koalitionskriege (1792-1802) ist die Gemeinde der Willkür durchziehender Truppen – seien es kaiserliche oder französische – schutzlos ausgeliefert. Eine jahrelange Leidenszeit mit Einquartierungen, Plünderungen, Kontributionen, Schanzarbeiten stürzt das Dorf in große Not.

1805 werden der Markgrafschaft Baden die vorderösterreichischen
Besitzungen zugesprochen (also auch Windschläg); die Freiherren verlieren ihre Orts- und grundherrlichen Befugnisse. 1844 wird nach langen Verhandlungen das Zehntrecht abgelöst, das Präsentationsrecht für die Pfarrer bleibt der Familie noch bis 1978 (II. Vatikanisches Konzil).

1835 wird der Grundstein zum Bau einer neuen Kirche gelegt, nachdem die alte Kirche zu klein geworden war. Der stattliche Bau mit dem hoch aufragenden Turm hat den hl. Pankratius, einen jugendlichen römischen Märtyrer, als Kirchenpatron.

Mit dem Bau der Eisenbahn, die Windschläg 1845 erreicht, verändert sich die Erwerbsstruktur nachhaltig: Windschläg wird zu einer Arbeiterbauerngemeinde. Die Bahn wird wichtiger Arbeitgeber, viele Windschläger pendeln zu gewerblichen Arbeitsstätten, im Dorf verdienen viele ihr Brot als selbständige Handwerker wie auch in einer Ziegelei (ab 1886) und einer auf dem gleichen Gelände bis heute existierenden Gießerei (seit den 20er Jahren). Hauptsächlich aber ist das Dorf damals noch bäuerlich strukturiert. Neben den üblichen Feldfrüchten und der Milchwirtschaft verlegt man sich auf den Anbau von Sonderkulturen (u.a. Tabak, Hanf).

Der 2. Weltkrieg hat – wie auch in anderen Gemeinden – tiefe Spuren
hinterlassen: 64 Gefallene und 19 Vermisste sind als Folge des Krieges zu beklagen, 5 Windschläger werden Opfer von Euthanasie und KZ.
Der 27. November 1944 gilt als der schwärzeste Tag in der Geschichte des Dorfes. Ein Luftangriff bringt an diesem Schreckenstag viel Leid über die Gemeinde: 18 Tote sind zu betrauern, viele Häuser, u.a. der Kindergarten, sind zerstört, auch die Kirche hat schweren Schaden genommen.

In der Nachkriegszeit entwickelt sich Windschläg prächtig: Ein kleines Gewerbegebiet wird ausgewiesen, neue Wohngebiete werden erschlossen, um den zunehmenden Bedarf an Wohneigentum zu befriedigen. Die Landwirtschaft hat völlig ihre frühere Dominanz eingebüßt: Der Strukturwandel hat dazu geführt, dass es heute nur noch einen Vollerwerbslandwirt gibt.

1975 verliert Windschläg seine Selbständigkeit und wird aufgrund gesetzlicher Anordnung ein Ortsteil Offenburgs. Die Gemeinde hat sich damals vergeblich gegen diese Eingliederung in Bürgeranhörungen gewehrt: Johann Haury war der letzte in der Reihe von 14 Bürgermeistern. Seit 2008 lenkt Ludwig Gütle als Ortsvorsteher
die Geschicke des Dorfes.

Windschläg ist zu einer attraktiven Wohngemeinde mit über 2100 Einwohnern geworden, hat aber sein individuelles Selbstbewusstsein nie aufgegeben; die zahlreichen Vereine sorgen mit dörflichen Festen und Veranstaltungen aller Art für ein vielseitiges, buntes dörfliches Miteinander.